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Presseberichte

Wenn der Schulalltag zum Albtraum wird: 

Erschienen in: Südkurier Nr. 148 | MP, 1. Juli 2014 

Von Andreas Schuler:
Die Gesichter des Schikanierens sind so vielfältig wie grausam: Schüler A wird ausgelacht wegen seiner Brille, gehänselt wegen der unmodischen Schuhe; über Familie und Vorlieben von Schülerin B werden Lügen und Gerüchte verbreitet; Schulsachen verschwinden, das Vesper landet an der Klassenzimmerwand. Ausprägungen des Horrors für einzelne Schüler, wie sie jeden Tag irgendwo zu beobachten sind.
Pädagogen verwenden den Begriff Mobbing jedoch ungern, weil sie ihn als überstrapaziert bezeichnen. Der Grund: Mobbing bezieht sich auf ein Verhaltensmuster und nicht auf eine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind systematisch, wiederholen sich ständig. Werner Claßen hat als Lehrer im sonderpädagogischen Dienst an der Hannah-Arendt-Schule in Iznang regelmäßig damit zu tun. „Mir ist der Begriff Mobbing suspekt“, erklärt er. „Wenn ein Kind in dieser Ecke steht, kommt es nicht mehr raus. Wir sprechen von Verhaltensauffälligkeiten.“ Er versucht, den Vorgang durch Nachfragen zu konkretisieren und sich so der Problematik zu nähern.
Die Hannah-Arendt-Schule ist eine private, staatlich anerkannte Schule für Erziehungshilfe. Hier werden differenzierte und passgenaue Jugendhilfeangebote an sieben verschiedenen Standorten im Landkreis Konstanz angeboten. Werner Claßen wird gerufen, wenn ein Problem zu eskalieren droht. Die Hannah-Arendt-Schule kooperiert in ihrer Jugendarbeit mit Regelschulen. „Auch bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten ist Empathie wichtig“, sagt er. „Wir müssen immer würdigen, was Kinder heute leisten müssen.“ Was nicht heißen soll, dass Mobbing toleriert wird. Im Gegenteil: Bevor es dazu kommen kann, möchten die Pädagogen Lösungsvorschläge untermauern. Seit ein paar Jahren werden gezielte Gemeinheiten verstärkt über die neuen Medien verbreitet. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes fürchterlich einfach. (...)
 
 

Offene Worte über das, was in der Klasse abgeht. Mobbingprävention an der Realschule Goldberg in Sindelfingen

Erschienen in: Kreiszeitung Böblinger Bote Nr. 53, 03. März 2012, S. 15. Autor: Werner Held

Claudia Nielinger und Constanze Scholz sind Fachberaterinnen für Mobbingprävention und -intervention. Sie arbeiten nach dem Konzept „Konflikt-KULTUR“ des AGJ-Fachverbandes für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg. An der Realschule Goldberg in Sindelfingen setzen sie ihr Konflikttraining in die Tat um.

Reibereien gibt es in jeder Schulklasse. Problematisch wird es, wenn regelmäßig ganz bestimmte Kinder Leidtragende von dummen Sprüchen und Schikanen ihrer Mitschüler sind. Mobbing ist ein Phänomen, das immer stärker um sich greift. Die Gesellschaft reagiert auf diese Entwicklung mit Programmen und Konzepten, um bei Mobbingfällen einzugreifen oder – was noch besser ist – um zu verhindern, dass sich Differenzen zwischen Schülern überhaupt dazu auswachsen. Eins davon ist „Konflikt-KULTUR“, das der AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg ausgearbeitet hat. Claudia Nielinger und Constanze Scholz sind Lehrerinnen an der Otto-Rommel-Realschule in Holzgerlingen. Sie sind seit vielen Jahren an ihrer Schule in der Mediation und im Tat-Ausgleich tätig und haben sich beim AGJ zu Fachberaterinnen für systemische Mobbingprävention und -intervention ausbilden lassen.

Die Realschule am Goldberg in Sindelfingen will laut ihrem Leitbild eine gewaltfreie Schule sein. „Konflikttraining, Gewalt- und Mobbingprävention passen sehr gut in unser Schulprofil“, sagt Konrektorin Mirjam Bessey. Deshalb hat sie auch zugegriffen, als sie von dem „Konflikt-KULTUR“-Angebot erfuhr. Zwei Tage lang arbeiteten Constanze Scholz und Claudia Nielinger mit der Klasse 7a. „Wir haben keinen akuten Mobbingfall“ sagt Mirjam Bessey. Aber Reibereien gebe es auch in dieser Klasse. Und was ihre beiden Kolleginnen machen, fördere ja auch Zusammenhalt und Klima in der Klasse.

Die Konrektorin ist sich mit Klassenlehrer Florian Heine einig darin, dass die Schüler viel freier und offener sagen, was ihnen an ihren Klassenkameraden stinkt oder imponiert, wenn die Aussprache von Schulfremden moderiert wird. „Wie Lehrer sind zu sehr in der Benoter-Rolle. Da überlegen sich manche Schüler genau, was sie sagen“, erklärt Mirjam Bessey. „Da, wo man sich wohl fühlt und respektiert wird, lernt man auch etwas“, macht sie deutlich und dass sich eine gewalt- und angstfreie Umgebung auch positiv auf den Lernerfolg der Kinder auswirkt.

„Wir wollen eine Atmosphäre der Ehrlichkeit und der Transparenz schaffen“, nennt Claudia Nielinger einen Grundsatz ihrer Arbeit. „Die Schüler sollen offen sagen, was sie stört.“ Aus den Äußerungen werden Regeln abgeleitet, die von allen in der Klasse einzuhalten sind. Es sei wichtig, auch jene Schüler zum aktiven Mitmachen anzuspornen, die sonst nicht auffällig sind, aber eine hohe Sozialkompetenz haben, formuliert Constanze Scholz eine Strategie. „Wer auffällt, nervt, ständig mit den Fingern schnipst und durch blöde Sprüche cool wirken will, darf nicht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, ergänzt Claudia Nielinger. „Wir müssen diejenigen Schüler mit Anerkennung belohnen, die Regeln einhalten, die pünktlich und zur Mitarbeit im Unterricht bereit sind.“

„Klassenkameraden auszugrenzen, über sie zu lästern, sie Streber oder Fettsack zu nennen, sie nicht ernst zu nehmen, über sie zu kichern oder sie gar wegen ihrer Herkunft zu diskriminieren, geht in der 7a nicht mehr (…).“


Mit Respekt und Toleranz. Grundschule Durlangen ist aktiv: Konflikttraining und Prävention für Schüler

Erschienen in: Gmünder Tagespost, 21. April 2011, S. 28

„Ich verletze keine Gefühle“ ist mit Kreide an die Tafel geschrieben. In der Grundschule Durlangen wurde jetzt das Thema „Konfliktbewältigung und Prävention“ in Angriff genommen. Einzigartig in der Region wurde vom AGJ-Fachverband ein Konflikttraining in der Schule veranstaltet.

Durlangen: Nicht warten bis eine drohende „Bombe“ entstehen kann, sondern schon lange vorher muss Präventionsarbeit getan sein. Davon ist Schulleiterin Katrin Haag-Lehmann überzeugt. „Deshalb ist für uns wichtig, dass die Schüler bereits in der Grundschule soziale Kompetenzen erwerben und lernen, Konflikte zu erkennen, zu lösen oder mit diesen umzugehen. Unsere Schüler können gestärkt in die weiterführenden Schulen gehen.“ Grundlegende Unterstützung erhält die Schulleiterin von den Eltern. „Der Elternbeirat steht hinter den Fortbildungen und übernimmt die Finanzierung“, betont Haag-Lehmann. Die Mädchen und Jungen der Klasse 3a waren mit Enthusiasmus dabei, die Regeln des Zusammenlebens in der Schulgemeinschaft zu erarbeiten. Alexander Bundschuh vom AGJ-Verband Freiburg, einem Fachverband für Prävention und Rehabilitation, konnte als Erziehungswissenschaftler, Schulsozialarbeiter, Mediator und Fachberater für systemische Mobbingprävention den Kindern und ihrer Klassenlehrerin Stefanie Boenkost abstrakte Werte und Normen auf spielerischer Ebene aufzeigen und auf den Alltag übertragen. „Ehrlichkeit muss sich wieder lohnen“, ist seine Maxime. Toleranz und Respekt sind Dinge, die jeder verdient, vermittelt er den Schülern. Respektvoll miteinander umgehen, sich gegenseitig wertschätzen und den Zusammenhalt stärken, das sind wichtige Trainingsschritte. „Wir wollen so miteinander umgehen lernen, dass alle sich wohl fühlen.“ Ich verletze keine Gefühle, ich verletze niemand körperlich und ich bin ehrlich: Das alles muss gelernt werden. Alexander Bundschuh ging auf soziale Spielregeln für das Zusammenleben ein und betonte, dass sich die Kinder gegenseitig unterstützen lernen, um diese einzuhalten. Unsoziales Verhalten von Mitschülern konstruktiv zu kritisieren und problematische Verhaltensweisen zusammen mit der Klasse auszubauen, waren weitere Kriterien. Unerlässlich für ein Konflikttraining und die Mobbingintervention in Schulklassen ist für den Mediator auf Konflikte aufmerksam zu machen und wach zu werden für schikanierende Verhaltensweisen. „Eine offene Kommunikation miteinander ist dafür eine Grundvoraussetzung“, erklärt der Fachberater.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die einfach, sauber und falsch ist."
Henry L. Mencken
Bei STOPP ist Schluss!

Joachim Bauer über die Publikation:
„Mutig, hilfreich, praxisnah – die Autoren bringen Klassenführung und soziales Lernen auf den Punkt."

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